…....und jetzt?

 

 

Das Jahr 2012 begann mit gesundheitlichen Problemen der übelsten Sorte.

Im Februar des Jahres wurde bei mir eine Nervenerkrankung festgestellt; nach einem knapp zweiwöchigem Aufenthalt in einem Essener Krankenhaus war schnell klar, daß

ich mein Leben, so wie ich es kannte, nicht fortführen konnte.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus folgte eine zwölfwöchige Reha-Maßnahme in der MEDICLIN, Fachklinik Rhein/Ruhr, die sich bis zum 19.05.2012 hinzog.

Während dieser Maßnahme lernte ich meine Muskeln wieder zu gebrauchen, meine Beine zu benutzen

Ich lernte einen Rollator zu benutzen und diesem auch zu vertrauen, ich lernte das Aufstehen vom Boden nach einem Sturz, ich lernte das Treppensteigen und ich lernte

das freihändige Stehen und ich lernte dank des großartigen Therapeutenteams Geduld und Selbstvertrauen.

 

Nach meiner Entlassung am 19.05. folgte dann das langsame Eingewöhnen in das „richtige Leben“.

Schnell stellte ich fest, daß der Rollator in der Wohnung relativ problemlos zu nutzen,

auf der Straße aber völlig unpraktisch ist.

 

Also einen Rollstuhl beantragt. Was nun folgte war ein Trauerspiel übelster Sorte; durch ein Essener Sanitätshaus sollte die Erstversorgung durchgeführt werden. Fachliche Beratung? Fehlanzeige!

Nach längerem hin und her und massivem Druck meinerseitsan die Geschäftsführung

des Sanitätshauses endlich der richtige Stuhl bestellt, ein s. g. Adaptiv-Rollstuhl.

Adaptiv-Rollstühle sind leichter, wendiger und stabiler als Standardrollstühle. Sie können - wenn sie optimal auf ihren Nutzer angepasst sind, mit relativ geringem Kraftaufwand betrieben werden und sind so für die alltägliche Nutzung ideal.

Ja, ideal wäre er, wenn denn dann endlich eine Lieferung erfolgen würde.

Bedingt durch die mangelhafte Beratung des Sanitätshaus musste das gesamte Genehmigungsverfahren bei meiner Krankenkasse noch einmal durchlaufen werden, hierdurch ergibt sich eine Gesamtbearbeitungszeit von derzeit 6 Wochen.

(Stand : 28.07.2012 ).

In der Zwischenzeit war ich damit beschäftigt diverse Anträge zu bearbeiten bzw. zu stellen.Hierzu hatte ich einen Gesprächstermin mit Herrn Sodermanns, Fa. Automobile Sodermanns GmbH um die Maßnahmen durchzusprechen die erforderlich sind, um ein Auto behindertengerecht auszustatten.

Das Gespräch mit Herrn Sodermanns verlief sehr erfolgversprechend, ebenso die abschließende Probefahrt auf einem umgerüsteten VW Golf.

Nach der Übersendung der entsprechenden Kostenvoranschläge für die Fahrschule sowie die Umrüstungskosten für den PKW stellte ich die entsprechenden Anträge an die Rentenversicherung ( DRV ) damit von hier die Kosten für die notwendigen Umbauten übernommen werden.

 

Es waren insgesamt 3 Vordrucke aus dem Netz mit gefühlten 1000 Fragen. Dieser Antrag wurde dann am 25.07.2012 an die DRV in Berlin geschickt.

 

Mittlerweile ist die 31. Kalenderwoche so gut wie vorbei, Lieferung des Rollstuhls? Fehlanzeige!

Aber und das weiß ich mittlerweile verbindlich : er hat am 01.08.2012 das Herstellerwerk in der Schweiz verlassen und ist auf dem Weg zu meinem Lieblingssanitätshaus - ob er dort jemals ankommt?

Fragen über Fragen, ich fühle mich in meiner Wohnung gefangen, es regt mich wirklich alles auf, egal was es ist!

Heute am 06.08.2012, war es dann endlich soweit, mein Rollstuhl wurde endlich geliefert, schön wenn man was Eigenes hat........

 

Am 12 .08.2012 loggte ich im Hotel zur Post in Wassenberg ein.

In Wassenberg selbst, bei der Fahrschule Peters sollte am nächsten Tag meine Umschulung zum Fahren eines PKW mit Handbetrieb beginnen.

Da ich mal wieder nicht richtig zugehört hatte, gab es zunächst eine kleines Mißver-ständnis bzgl. der Frage: werde ich abgeholt oder nicht oder doch?........Nun dank der vorzüglichen Betreuung durch Herrn Sodermanns wurde auch dieses Problem schnell gelöst.

Pünktlich um 10.30 Uhr wurde ich von Herrn Sodermanns am Hotel abgeholt und von ihm zu seiner Firma gebracht, wo bereits der Fahrlehrer auf mich wartete.

Nach einer kurzen Fahrzeugeinweisung ging es endlich los, Gott ist Autofahren schön so schön..... es ging durch Wassenberg und Umgebung, nach kurzer Eingewöhnungs-zeit klappte das Lenken mit dem am Lenkrad befindlichen Drehknauf problemlos, das Gas geben sowie das Bremsen war ebenfalls schnell gelernt, nur der Druckpunkt der Bremse bereitete mir anfangs noch leichte Probleme, im Laufe der ersten Stunde verschwanden diese aber.......dachte ich.

OK es war ( noch ) nicht so, aber bis zum nächsten Tag sollte das zu schaffen sein. Nächster Tag....Oh Gott der Fahrtest, jetzt bloß nicht verrückt machen Peter, du kannst das.......wäre doch gelacht.......obwohl......“ Vergessen Sie nicht den Blick in den Spiegel und den Blick über die Schulter!!!!!!!“ Ach Mist ist ja gut, der Onkel macht das schon. Nach einer Mittagspause erfolgte dann die zweite Fahrstunde, diesmal sogar mit einem Stück Autobahn.....boooah 140 km/h geil......danach war dann Schluß mit lustig, rückwärts Einparken sowie rückwärts um die Ecke setzen war angesagt; es klappte völlig problem-los, der Druckpunkt der Bremse war mittlerweile gut zu finden, die Bedienung der Blinker über den Drehknopf klappte völlig problemlos, zum Schlu? des Tages ging es durch eine Spielstraße, LANGSAM....hörte ich die Worte des Fahrlehrers und den Blick in die Spie-gel.... ....jaaaa ist ja gut!

Die Nacht vor der Prüfung...................schlafen??? Nö nicht wirklich. Morgens zum Früh-stück, dann die Tasche packen und warten.....noch einmal 75 Minuten volle Konzentra-tion......ja die Rückspiegel.......dann war es soweit, ab zum TÜV.....nach rund 30 Minuten war alles überstanden davor hatte ich Angst?

Vielen Dank an den netten Prüfer, ich hoffe mal Herr Peters gibt Ihnen mal den Link zu dieser Seite.

Und wieder einen Dämpfer erhalten - ein freundlicher Mitarbeiter der DRV meldete sich telefonisch bei mir. (20.08.2012)

Leider sei der Antrag auf Kostenbezuschussung nicht komplett ausgefüllt, es fehlen Angaben zum Verbleib meines bisherigen Autos , wie der Kaufvertrag über den Ankauf des PKW, ebenso fehlen Angaben der Gehaltsbuchhaltung über (noch) erfolgte Zahl-ungen, (nach Aussage der Gehaltsbuchhaltung und der entsprechenden Anträge sind diese Angaben nur erforderlich wenn durch die DRV ebenfalls der Kauf eines neuen PKW gefördert werden soll - aber wenn er sie haben will....) darüber hinaus eine amtliche Bestätigung über die Entfernung zwischen meiner Wohnung und meiner Arbeitsstätte (wo soll ich das denn bekommen?) darüber hinaus hätte er berechnet, daß ich mit öffentlichen Verkehrsmittel max. 20 Minuten bräuchte um in die Stadt zu kommen, hierauf habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht das ich in einem Rollstuhl sitze und es mir unmöglich ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln.....................aber sagte er es gibt doch Busse mit absenkbarem Einstieg, ja sagte ich schon möglich, aber die Fahren bei mir nicht vorbei, bei mir fährt lediglich eine Straßenbahn, und die ist mit dem Rollstuhl nicht zu benutzen..........da des Menschen Wille sein Himmelreich ist, bekommt er selbstverständlich seine Unterlagen nachgereicht, was soll es..........dauert der ganze Mist eben noch länger, ich steh‘ kurz vor der Verzweiflung, der Kollege bei der Stadt Essen der mir eine Bescheinigung über die Entfernung Wohnung/Arbeitsplatz ausstellen kann hat Urlaub ( ok sei Ihm gegönnt ) seine Stellvertretung ist krank, und der Mensch mit dem ich sprach war sich nicht sicher ob solch eine Bescheinigung überhaupt noch ausgestellt wird, wenn ja kostet das Ding 28,00 € Verwaltungsgebühr..............herzlichen Dank auch, ich werde noch wahnsinnig was in drei Teufels Namen mach‘ ich wenn dieser Antrag abgelehnt wird?

Den Rest meines Lebens in der Wohnung verbringen?

 

Montag der 10.September 2012, der Kollege des Vermessungs- und Katasteramt hat den Urlaub beendet.

Hurra, er wird meine Anfrage vorziehen und mich dann anrufen damit ich das Ding selbst abholen und die gesammelten Unterlagen selbst zur DRV bringen kann.

Zwischenzeitlich habe ich ein Auge auf einen Opel Antara geworfen, schönes Auto, bin mal gespannt ob der noch im Autohaus steht wenn es dann endlich bei mir so weit ist, also Geduld.....

Donnerstag der 13.September, der Kollege vom Vermessungs- und Katasteramt hat Wort gehalten, die Bestätigung der Entfernung zu meinem Arbeitsplatz liegt vor, also alles in einen Umschlag gepackt und persönlich in die Stadt gebracht.

Dann ab zum Straßenverkehrsamt, lauter wirklich nette Leute dort, hilfsbereit und zuvor-kommend.

25,00 € Verwaltungsgebühr, ein Passbild und maximal 10 Minuten Wartezeit und der neue Führerschein war beantragt, er wird mir in den nächsten Tagen per Post zugeschickt, sehe ich endlich Licht am Ende des Tunnels oder bilde ich mir das nur ein?

Am 20.09. siegte meine Ungeduld, ich nahm telefonisch Kontakt zur DRV auf, oh Freude nach rd. 20 Minuten in der Warteschleife die Auskunft, daß die Sachbearbeiterin zu Tisch aber gegen 14.00 Uhr wieder zurück sei, da dann eine Besprechung …....mir platzte der Kragen, etwas ungehalten wies ich darauf hin, daß sich die Bearbeitung meines Antrags nun schon einige Monate hinzog und ich gegen 14.00 Uhr erneut anrufen werde und dann meine Sachbearbeiterin zu sprechen wünsche.

Oh Glückes Geschick, die Dame war tatsächlich für mich zu sprechen. Sie teilte mir mit, daß der Antrag nun beim Amtsarzt liegt und ich von dort eine Einladung…………….

Mit gefährlich leisem Unterton fragte ich die Dame wann denn nun mit der Einladung zu rechnen sei, oh Freude am 11.10.2012 um 08.00 Uhr.

Großartig. dort wird dann festgestellt, ob ich ein Sozialschmarotzer bin, oder ob ich tatsächlich im Rollstuhl sitze, ich liebe die BRD:

Der Termin beim Amtsarzt kam und wurde durchgeführt, von der eigentlichen „Unter-suchung“ wollen wir dann mal schweigen, nur soviel, wer lesen kann ist klar im Vorteil; um das Maß voll zu machen wurde noch ein EKG, ein Lungenvolumentest und ein Seh-test gemacht, klar warum auch nicht!

Nun- dachte ich - nun habe ich aber alles, denkste Banane, nun muss noch eine Be-stätigung des Arbeitgebers eingeholt werden, aus der hervorgeht, daß mein Arbeitgeber (die Stadt Essen, also keine Pommesbude o.ä. ) auch einen behindertengerechten Ar-beitsplatz für mich hat, ja verdammt noch mal - spinnen die jetzt völlig?

Aber auch gut, am 18.10. erteilte ich dann der DRV die entsprechende Vollmacht. Am 07.11. bekam ich endlich Post von der DRV –endlich- , komisch - ein normaler Um-schlag? Der Inhalt des Umschlags war eine Vorladung zu einem persönlichen Gespräch am 20.11.2012 (hat mal jemand mitgezählt? Richtig, die arbeiten im 14-Tage-Rhythmus).

Jetzt reicht es, ein Anwalt wurde eingeschaltet, das Gespräch am 20.11. mitgemacht, - Aussage des Sachbearbeiters - ein Taxidienst wird billiger für die DRV, aha, und wa- rum bearbeiten Sie meinen Antrag dann nicht weiter, wie wäre es mit einem Bescheid, damit ich Rechtsmittel einlegen kann................ ja, da fehlt ja noch die Bestätigung des damit war das Gespräch für mich beendet, ich habe am gleichen Tag mei-nen Anwalt von dem Gesprächsverlauf Informiert, er hatte der DRV eine Frist bis zum 22.11. ( gestern ) gesetzt. Mal sehen was nun passiert. (Stand 23.11.2012)

Morgen am 24.11. hätte meine leider schon verstorbene Großmutter Geburtstag. Warum ich das schreibe, nun, dies ist das erste Mal, daß ich ihr nicht gratulieren kann. Es ist Tradition, daß ich an diesem Tag immer eine rote Rose auf ihr Grab lege. Omi tut mir leid!

Aber trotz dem gesammelten Mist gibt es auch etwas Erfreuliches zu berichten, ich bin seit einiger Zeit in therapeutischer Behandlung.

Die Praxis befindet sich im Stadtteil Steele, ja richtig da wohne ich, ich werde zweimal wöchentlich mit einem Taxidienst der sehr zuverlässig ist dorthin gefahren, die für mich zuständige Therapeutin, Christina, hat mir in mühevoller Kleinarbeit gezeigt was alles machbar ist, an dieser Stelle vielen Dank dafür, ich freue mich jedesmal auf die gemein-same Trainingszeit.

 

11.12.2012

Die Mitarbeiter der DRV sind endlich aus ihrem Schlaf erwacht, mein Anwalt teilte mir mit, daß es nun endlich einen rechtsmittelfähigen ablehnenden Bescheid gibt. Es wurde sofort Widerspruchs eingelegt und Akteneinsicht gefordert.

Da es nun vermutlich auf eine Auseinandersetzung vor dem zuständigen Sozialgericht kommen wird, werde ich hier zunächst dazu nichts mehr schreiben.

 

2013

Der Jahreswechsel verlief richtig ruhig, ja fast langweilig, pünktlich um Mitternacht wurden vom Balkon aus ein paar Raketen in den nächtlichen Himmel geschossen und das obliga-torische Glas Sekt getrunken.

Zwischen den Feiertagen habe ich ein wenig in der weiten Welt des www geschnüffelt und bei meinem Opel- Händler des Vertrauens einen Meriva entdeckt, am 04.01. habe ich das Auto zunächst für mich reservieren lassen.

Mittlerweile haben wir den 17. Januar, seitens meines Anwalts gibt es noch nichts zu berichten, die Sache läuft also weiterhin Geduld.

Meine Beweglichkeit verbessert sich permanent ich bin im großen und ganzen eigentlich zufrieden.

In der letzten Woche hatte ich telefonischen Kontakt zum Personalamt der Stadt Essen aufgenommen und die Sachlage geschildert, es besteht die Möglichkeit wieder in meine alte Dienststelle zurück zu kehren, um dort im Rahmen des Ferienspatz Programms mitzuarbeiten, diese Tätigkeit habe ich schon einmal gemacht, ich freue mich schon darauf meine alten Kollegen/innen wiederzusehen, ich hoffe mal das es nicht mehr allzu lang dauert.

Um mein Glück perfekt zu machen ist doch tatsächlich dieser blöde Winter doch noch gekommen, wirklich klasse mit dem Rollstuhl durch den Schnee, da kommt Freude auf.

 

Und noch etwas positives, am 12.02. habe ich eine Ausnahmegenehmigung für Schwerbehinderte beantragt damit ich mein zukünftiges Auto auch auf entsprechenden Parkplätzen abstellen kann.

Nach nur 3 Werktagen Bearbeitungszeit erhielt ich den Ausweis mit der Post zugeschickt.

Hier vielen Dank an die Stadt Essen, Amt für Straßen und Verkehr.

 

 

2017

Ja es ist tatsächlich etwas passiert, im Sommer 2016, nach knapp 4 Jahren, ist auch das zuständige Gericht aufgewacht.
Es kam zu einem Einigungstermin, mein bereits gefasstes Gefühl das es seitens des Gerichts u keinem positiven Bescheid kommen wird hat sich bewahrheitet.
Es kam vor der zuständigen Kammer des Sozialgerichts zu einem Vergleich der mich sicher nicht zufrieden gestellt hat, allerdings um bei der Wahrheit zu bleiben, die Warterei und das ewige abgeben neuer Stellungnahmen haben mich moralisch Klein gemacht.
Ja ich habe aufgegeben.
Es bewahrheitet sich die alte Weisheit Recht haben bedeutet noch lange nicht auch Recht zu bekommen.
Danke an die mich Vertretende Anwaltskanzlei Linten und Partner in Essen.
Der Fall ist abgeschlossen.